Opel oder Wie erpresse ich am besten einen Staat?
Mrz 8th, 2009 by Björn
Seit Wochen geistert Opel durch die Nachrichten, einen Beitrag wollte ich schon vor einigen Tagen schreiben, aber bis dato war das Ganze ein herkömmliches Wischi-Waschi.
Doch was heute in den Nachrichten berichtet wird, schlägt dem Fass den Boden aus. So berichtet das Nachrichtenmagazin Focus, das Opel mittlerweile 4 Millarden Euro fordert und damit droht, die Werke in Eisenach und Bochum zu schliessen. Dabei hätte Opel wohl noch nicht einmal einen Cent Steuern bezahlt, alle Gewinne wurden an die Mutter GM geleitet, die Verluste jedoch in Deutschland steuerlich geltend gemacht.
Erleben wir nun eine weitere Erpressung ala Nokia in Finnland? Dort hatte der Konzern von der finnischen Regierung verlangt, ein Gesetz zu erlassen, um den E-Mail Verkehr der Mitarbeiter zu überwachen. Als die finnische Regierung zögerte, kündigte Nokia an, den Standort Finnland zu schliessen bzw. aufzugeben. Davon betroffen wären 16.000 Arbeitsplätze, was auf die geringe Bevölkerung Finnlands (etwas mehr als 5 Millionen Einwohner) gerechnet ein Super-Gau wäre. Sehr schnell wurde durch die finnische Regierung ein entsprechender Gesetzentwurf vorgelegt.
Nun schickt sich der nächste Konzern an, eine nationale Regierung zu erpressen. GM-Europa Chef Carl-Peter Forster legte dem Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg klipp und klar die Zahlen auf den Tisch. 2 Millarden bewilligen Banken, wenn Staatsbürgschaften kommen. die anderen 2 Millarden muss der Staat direkt beisteuern. GM zahlt keinen Cent, nicht einmal die Grundstücke würden dem neuen Unternehmen überschrieben.
Würde ein Selbstständiger in Deutschland die gleiche Vorgehensweise an den Tag legen und zum Beispiel fordern, das 100.000 Euro an Bürgschaften übernommen werden sollen und noch einmal 100.000 Euro direkt vom Staat auf das Konto des Unternehmers fliessen sollen, damit er seinen Betrieb mit 5 oder 10 Mitarbeitern erhält, dann würde jede Regierung nur müde lächeln. Eventuell würde man den Mann in eine Klapse verfrachten oder gar an die Staatsanwaltschaft wegen Erpressung verweisen. Einen Tag später würden sicher die Prüfer vom Finanzamt auftauchen und sich die Unterlagen ansehen, der Verdacht der Steuerhinterziehung würde ganz schnell auftauchen.
Bei allem Verständnis für die Mitarbeiter und deren Familien, wenn die Bundesregierung jetzt auf diese Erpressung eingeht, dann hab ich wirklich das letzte Fünkchen Vertrauen in diese Gesellschaftsform verloren. Diese Scheindemokratie wird dann beherrscht von Konzernen, die nach belieben manipulieren und erpressen können.
Das ich wirklich nicht allein mit dieser Meinung dastehe, das zeigen die vielen Blogbeiträge dazu. Stellvertretend hier sei Saschas Blog genannt, seine kurze, aber vollkommen zutreffende Aussage (man beachte das Zitat!) bringt es auf den Punkt. Auch Frank sieht in seinem Cash-Blog die Forderung als Frechheit an. Ähnliche Meinungen gibt es noch hier und hier. Im letzten Link finde ich die Aussage ausgesprochen bildhaft und zutreffend:
Das Beispiel Opel zeigt mehr als deutlich: die so genannte Globalisierung ist ein kolossaler schädlicher Irrtum, der jetzt immer mehr seine wahre häßliche Fratze offenbart. Globalisierung nutzt dem Volk nicht, sondern beutet es aus. Und zwar in Entwicklungs- wie Industrieländern gleichermaßen.
Hier gibt es ein wirkliches Full-Ack von mir. Hier stellt sich doch wirklich langsam die Frage, was für Alternativen bieten sich an? Wie kann man diesen global agierenden Banden Konzernen eigentlich noch begegnen? Kaum, oder? Willkommen in der Zukunft…
